T+43 676 77 655 65 Eoffice@martial-arts.at AKoschatgasse 35, 8020 Graz
Probetraining
Abwehr eines Würgegriffs in der Nahdistanz beim Selbstverteidigungstraining in der Akademie für Selbstverteidigung, Kampfkunst und Kampfsport in Graz.

Jiu-Jitsu

Japanische Selbstverteidigung mit Hebeln, Würfen und Befreiungen

Was ist Jiu-Jitsu?

Jiu-Jitsu (japanisch Jūjutsu, „sanfte Kunst“) ist ein Sammelbegriff für japanische Kampf- und Selbstverteidigungssysteme mit Hebeln, Würfen, Befreiungen, Haltegriffen und Schlägen. Es entstand in der Feudalzeit als waffenloser Nahkampf der Samurai und ist die Grundlage von Judo und Aikido.

Heute bezeichnet Jiu-Jitsu sehr unterschiedliche Systeme: traditionelle japanische Schulen, moderne Selbstverteidigungssysteme wie das europäische Ju-Jutsu und sportliche Wettkampfformen. Mit dem Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) ist es verwandt, aber nicht identisch.

Herkunft und Geschichte des Jiu-Jitsu

Im feudalen Japan lernten Krieger, sich auch ohne oder mit kurzer Waffe zu verteidigen – etwa, wenn das Schwert verloren war. Als älteste noch bestehende Schule gilt das Takenouchi-ryū, gegründet 1532. In der friedlichen Edo-Zeit (1603–1868) entstanden hunderte Schulen (Ryūha) mit eigenen Schwerpunkten.

Nach dem Ende der Samurai-Ära verlor das Jūjutsu an Bedeutung. Jigorō Kanō entwickelte daraus 1882 das Judo, Morihei Ueshiba später das Aikido. Um 1900 kam Jiu-Jitsu nach Europa, wo es als Selbstverteidigung populär wurde. In Deutschland entstand 1969 das moderne Ju-Jutsu als eigenständiges System. International organisiert die Ju-Jitsu International Federation (JJIF) Wettkämpfe; seit 1997 ist Ju-Jitsu Teil der World Games.

JahrEreignis
1532Gründung des Takenouchi-ryū, der ältesten bekannten Jūjutsu-Schule
1603–1868Edo-Zeit: Blüte hunderter Jūjutsu-Schulen
1882Jigorō Kanō entwickelt aus dem Jūjutsu das Judo
1997Ju-Jitsu erstmals bei den World Games

Techniken und Training im Jiu-Jitsu

Jiu-Jitsu deckt den Nahkampf in allen Phasen ab: vom Lösen eines Griffs über Hebel und Würfe bis zur Kontrolle am Boden. Typisch ist der Grundsatz, die Kraft des Angreifers umzulenken, statt ihr direkt zu widerstehen.

BegriffBedeutung
BefreiungenLösen aus Handgelenks-, Kleidungs- und Umklammerungsgriffen
Atemi-wazaSchlag- und Trittechniken zur Ablenkung oder Abwehr
Nage-wazaWürfe, etwa Hüft- und Fußwürfe
Kansetsu-wazaHebel an Handgelenk, Ellbogen und Schulter
Osae-wazaHalte- und Festhaltetechniken
UkemiFallschule
WaffenabwehrIn vielen Systemen Abwehr gegen Stock oder Messer

So läuft eine typische Jiu-Jitsu-Einheit ab: Aufwärmen und Fallschule, dann Partnerübungen mit Befreiungen, Hebeln und Würfen, oft als Abwehr gegen festgelegte Angriffe. Je nach Verband kommen freies Üben, Bodenkampf oder Wettkampfformen dazu. Graduiert wird mit Kyū- und Dan-Graden.

Wofür wird Jiu-Jitsu trainiert?

  • Selbstverteidigung: Jiu-Jitsu ist von Grund auf als Abwehrsystem gedacht, mit Befreiungen, Hebeln und Kontrolle.
  • Berufliche Anwendung: Festhalte- und Kontrolltechniken sind für Polizei, Sicherheitsdienste oder Pflegeberufe relevant.
  • Wettkampf: Die JJIF kennt u. a. Duo-System (Vorführung), Fighting-System und Ne-Waza (Bodenkampf).
  • Fitness und Koordination: Fallschule und Partnerarbeit fördern Körpergefühl und Beweglichkeit.

Stärken und Grenzen von Jiu-Jitsu

Stärken

  • Vielseitig: Befreiungen, Schläge, Hebel, Würfe und Bodenkontrolle in einem System.
  • Klarer Selbstverteidigungsbezug und Kontrolltechniken für berufliche Situationen.
  • Gute Fallschule.

Grenzen

  • Der Begriff sagt wenig über Qualität und Trainingsform aus; Schulen unterscheiden sich stark.
  • Wird nur gegen festgelegte Angriffe geübt, bleibt die Übertragbarkeit auf dynamische Situationen begrenzt.
  • Breites Repertoire kann zu Lasten der Tiefe einzelner Bereiche gehen.

Für wen eignet sich Jiu-Jitsu?

Jiu-Jitsu eignet sich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die vor allem Selbstverteidigung lernen möchten, und für Berufsgruppen, die Kontrolltechniken brauchen. Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Wer sportlichen Bodenkampf sucht, ist im Brazilian Jiu-Jitsu richtig; wer Würfe als olympischen Sport betreiben möchte, im Judo.

Jiu-Jitsu im Vergleich: BJJ, Judo und Aikido

Jiu-Jitsu ist die gemeinsame Wurzel mehrerer bekannter Kampfkünste. Die Namen werden deshalb oft verwechselt.

Jiu-Jitsu / Ju-JutsuBrazilian Jiu-JitsuJudoAikido
SchwerpunktSelbstverteidigungBodenkampfWürfeAusweichen und Hebel
Schläge und Trittejaneinneinkaum
Wettkampfje nach Verbandjaja, olympischmeist nein
  • Jiu-Jitsu und BJJ: BJJ entstand in Brasilien aus dem Judo und ist ein spezialisierter Bodenkampfsport; Jiu-Jitsu ist breiter und selbstverteidigungsorientiert.
  • Jiu-Jitsu und Judo: Judo ist ein aus dem Jūjutsu entwickelter Wurfsport ohne Schläge.
  • Jiu-Jitsu und Aikido: Aikido stammt ebenfalls aus dem Jūjutsu, betont aber Ausweichen und Hebel ohne Wettkampf.
  • Schreibweisen: Jūjutsu ist die korrekte Umschrift; „Jiu-Jitsu“ und „Jujitsu“ sind ältere westliche Schreibungen, „Ju-Jutsu“ bezeichnet meist das deutsche System von 1969.

Welche Rolle spielt Jiu-Jitsu bei Martial Arts Systematics?

Martial Arts Systematics (MAS) ist keine Jiu-Jitsu-Schule, sondern eine übergeordnete Systematik. Sie ordnet Techniken danach, ob sie in einer Situation funktionieren, und nicht nach ihrer Herkunft.

Für die Selbstverteidigung bei MAS sind Befreiungen aus Griffen, Hebel- und Festhaltetechniken, Würfe und Fallschule relevant. Sie werden mit Gefahrenerkennung, Deeskalation, Schlagabwehr und Flucht verbunden und gegen aktiven Widerstand überprüft. Im Kampfsport ergänzen Wurf- und Bodentechniken das Training nach MMA-Regeln.

MAS bietet kein Jiu-Jitsu-Curriculum und keine Jiu-Jitsu-Gürtelprüfungen an. Wer Jiu-Jitsu als eigenen Stil lernen möchte, sollte einen Jiu-Jitsu-Verein wählen.

Häufige Fragen zu Jiu-Jitsu

Was ist der Unterschied zwischen Jiu-Jitsu und BJJ?

Jiu-Jitsu ist ein japanischer Sammelbegriff für Selbstverteidigungssysteme mit Schlägen, Hebeln und Würfen. Brazilian Jiu-Jitsu entwickelte sich in Brasilien aus dem Judo und ist ein spezialisierter Bodenkampfsport.

Wie schreibt man Jiu-Jitsu richtig?

Die korrekte Umschrift des japanischen Begriffs ist Jūjutsu. „Jiu-Jitsu“ und „Jujitsu“ sind ältere westliche Schreibweisen; „Ju-Jutsu“ steht meist für das 1969 in Deutschland entwickelte System.

Ist Jiu-Jitsu gut für Selbstverteidigung?

Jiu-Jitsu ist als Selbstverteidigungssystem gedacht. Wie gut es hilft, hängt davon ab, ob auch gegen freien Widerstand und unter Stress trainiert wird.

Woher kommt Jiu-Jitsu?

Aus dem feudalen Japan, wo Krieger den waffenlosen Nahkampf übten. Die älteste bekannte Schule ist das Takenouchi-ryū von 1532.

Was ist der Unterschied zwischen Jiu-Jitsu und Judo?

Judo wurde 1882 aus dem Jūjutsu entwickelt und ist ein olympischer Wurfsport ohne Schläge. Jiu-Jitsu umfasst zusätzlich Schläge, Tritte und Selbstverteidigungstechniken.

Gibt es Wettkämpfe im Jiu-Jitsu?

Ja, je nach Verband. Die Ju-Jitsu International Federation kennt etwa Duo-System, Fighting-System und Ne-Waza; Ju-Jitsu ist seit 1997 Teil der World Games.

Kann ich bei MAS in Graz Jiu-Jitsu lernen?

MAS bietet kein Jiu-Jitsu-Programm und keine Jiu-Jitsu-Gürtel an. Befreiungen, Hebel, Würfe und Kontrolltechniken sind aber Teil des Selbstverteidigungstrainings.

Ist Jiu-Jitsu für Kinder geeignet?

Ja, viele Vereine bieten Kinderkurse an. Fallschule, Befreiungen und Selbstbehauptung stehen dort im Vordergrund.

Fazit

Jiu-Jitsu ist die gemeinsame Wurzel von Judo, Aikido und BJJ und bis heute ein vielseitiges Selbstverteidigungssystem. Weil der Begriff sehr unterschiedliche Systeme umfasst, lohnt ein genauer Blick auf die Trainingsform. Wer Befreiungen, Hebel und Kontrolle in einem stilübergreifenden, druckgeprüften Training erleben möchte, kann das bei Martial Arts Systematics in Graz ausprobieren.

Verwandte Einträge

Quellen und weiterführende Informationen